Problemstoffe

Hier erfährst Du das Wichtigste über verschiedene Problemstoffe

Asbest

Asbest ist die Sammelbezeichnung für natürlich vorkommende faserartige Mineralien. Sie sind chemisch sehr beständig, unempfindlich gegen Hitze und weisen eine hohe Elastizität und Zugfestigkeit auf. Aufgrund dieser günstigen bautechnischen Eigenschaften wurde Asbest jahrzehntelang als Baustoff bzw. Zuschlagsstoff für eine Vielzahl von Produkten eingesetzt. Man geht von mindestens 3.000 Produkten aus, in denen Asbest verarbeitet wurde.

Bei der Zersetzung von Asbestmaterialien werden Asbestfasern freigesetzt, welche die Eigenschaft haben sich zu spalten und somit immer kleiner zu werden (400 bis 500 Mal kleiner als ein menschliches Haar). Wenn bei Bau- und Abbrucharbeiten Asbestfasern freigesetzt werden, können diese eingeatmet werden und schwere gesundheitliche Probleme verursachen. So können die eingeatmeten Fasern langfristig in der Lunge verbleiben, das Gewebe reizen und Asbestose (Asbestlunge), Lungenkrebs oder ein Mesotheliom (Tumor des Lungen- oder Bauchfells) verursachen.

Aufgrund der erheblichen Gesundheitsrisiken hat die Europäische Union 1999 mit der Richtlinie 1999/77/EG einen vollständigen Ausstieg aus der Asbestverwendung beschlossen. Diese Richtlinie enthielt eine Übergangsregelung bis zum Jahr 2005, wobei viele Staaten das Asbestverbot aber bereits vor 2005 umgesetzt haben (z.B. Deutschland 1993, Frankreich 1997). Im Großherzogtum Luxemburg besteht seit dem Jahre 2001 ein generelles Verbot der Asbestvermarktung.

Trotz dieses EU-weiten Verbotes, ist davon auszugehen, dass in einem großen Teil der vorhandenen Gebäude noch Asbest vorhanden sind. Aufgrund der langen Nutzungsdauer von Baumaterialien ist in Häusern, die älter als 20 bis 25 Jahre sind, die Wahrscheinlichkeit groß, dass asbesthaltige Bausstoffe verbaut worden sind.

An vielen Stellen im Haus kann Asbest vorhanden sein, so z.B. in:

  • Dacheindeckungen, wie Dachziegel, Dach- und Wellplatten, Dachpappen, Dichtungs- und Schweißbahnen
  • Dämmungen
  • Fassadenbekleidungen aus Platten, Fassadendämmungen
  • Trockenbauwänden
  • Brüstungselementen
  • Fensterbänken, Fensterkitt, Fugenmasse an Fensteranschlüssen
  • Kleber, Spachtel- und Fugenmassen
  • Bodenbelägen („Cushion-Vinyl“ mehrschichtiger Belag und „Floor-Flex“-Platten)
  • Thermischen Elektrogeräten

Diese Auflistung erhebt keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit!

Bei Baumaßnahmen besteht die Gefahr, dass Asbest freigesetzt wird. Du solltest Dich daher vor Wartungs-, Abbau- und Renovierungsarbeiten grundsätzlich fachlich beraten lassen!  Asbest-Rückbauarbeiten dürfen nur von geschulten Personen durchgeführt werden und sind zudem genehmigungspflichtig. Weitere Informationen zur Asbest-Problematik findest Du bei:

Flammschutzmittel

Unter dem Begriff der Flammschutzmittel verbirgt sich eine Vielzahl verschiedener organischer und anorganischer Chemikalien. Ihr Einsatz wird jeweils auf das spezifische Produkt, dessen Materialzusammensetzung und Verwendungszweck abgestimmt. Die organischen Flammschutzmittel bestehen vor allem aus bromierten Verbindungen, halogenhaltigen beziehungsweise halogenfreien phosphororganischen Verbindungen oder Chlorparaffinen. Als anorganische Flammschutzmittel werden in erster Linie Aluminiumtrihydroxid, Magnesiumdihydroxid oder Antimontrioxid (als Synergist bromierter FSM) eingesetzt. 

Flammschutzmittel werden in leicht brennbaren Produkten eingesetzt. Sie sollen bspw. Schaumstoffe in Baumaterialien, Sitzmöbel, Matratzen oder Autos sowie Teppichböden, Elektrokabeln und Gehäusen von Computern oder Fernsehern davor bewahren, schnell Feuer zu fangen. Neben der positiven Eigenschaft des Brandschutzes haben eine Reihe von Flammschutzmitteln jedoch problematische Umwelt- und Gesundheitseigenschaften. Besonders einige der halogenierten Flammschutzmittel zeichnen sich durch gesundheits- und umweltgefährliche Eigenschaften sowie hohe Persistenz und Anreicherung in der Umwelt aus. Laut der Verbraucherzentrale Deutschland können die Stoffe aus den Produkten entweichen und finden sich etwa in der Innenraumluft und im Hausstaub wieder. Einige der Flammschutzmittel können das menschliche Nervensystem schädigen, unfruchtbar machen oder krebserregend sein. Die Kennzeichnung "FR" für "Flame retardant" weist darauf hin, dass im Kunststoff Flammschutzmittel enthalten sind. Elektronikgeräte mit dem Umweltzeichen Blauer Engel dürfen z.B. keine halogenhaltigen Flammschutzmittel enthalten. Es lohnt sich also, bereits beim Einkauf nachzufragen, ob bzw. welche Flammschutzmittel zum Beispiel in der Matratze oder dem Möbelstück enthalten sind.

Für verschiedene Flammschutzmittel gibt es inzwischen Beschränkungen, so z.B. für das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD), welches lange das wirtschaftlich wichtigste Flammschutzmittel für Polystyrol-Dämmstoffe war. Seit Frühjahr 2016 besteht in der EU ein weitgehendes Handels- und Verwendungsverbot. Weitere Informationen dazu findest Du hier. Durch die Stockholm-Konvention sind bromierte Flammschutzmittel (BFR) weltweit verboten. Aber: Es gibt eine Ausnahmeregelung in der Europäischen Union. Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland können zu neuen Produkten, wie z.B. Spielzeug oder Toilettenartikel, verarbeitete Kunststoffbauteile aus Elektronikschrott in der EU bis zu 1000 ppm des hormonschädlichen Flammschutzmittels PBDE (polybromierte Diphenylether) enthalten. Dies ist das 100-fache dessen, was für Produkte aus neuen Materialien erlaubt ist.

PAK (Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe)

Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen bei Verbrennungprozessen organischer Materialien (Holz, Kohle und Öl) und als so genannte Schlacken bei der Verkokung von Kohle und der Raffination von Erdöl. In geringerem Umfang treten PAK als natürlicher Bestandteil in Erdöl oder Naturasphalt auf. PAK entstehen außerdem bei natürlichen Prozessen wie Vulkanausbrüchen und Waldbränden.

Unter dem Begriff PAK wird eine Gruppe unterschiedlicher Chemikalien mit ähnlicher Struktur und Wirkung zusammengefasst. Es handelt sich um gesundheitsgefährdende Stoffe, die teilweise als kanzerogen (Krebs erzeugend), mutagen (Veränderungen im Erbgut auslösend) und toxisch (giftig) eingestuft sind. PAK in Innenräumen (zum Beispiel aus Parkettklebern) können negative Auswirkungen auf die Raumluft haben. Inzwischen sind zahlreiche krebserregende PAK in Produkten, die mit Haut und Schleimhäuten in Verbindung kommen können, verboten. EU-weit gibt es eine Beschränkung mit unterschiedlichen Grenzwerten für unterschiedliche Produktgruppen.

Die Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffe finden sich vor allem in der Luft, da sie an Ruß-, Boden- oder Staubpartikel anbinden und so in die Atmosphäre gelangen. Sie können aber auch in Baustoffen und Holzschutzmitteln enthalten sein. Lange wurde PAK-haltiger Teer nicht nur als Straßenbelag, sondern auch beispielsweise in Teerpappen verwendet. Teilweise werden PAK auch als Weichmacher Gummi und Kunststoffen beigemischt (z.B. Gummischuhe, Griffe von Handwerkszeug oder Fahrrad-Lenkern), und können so über die Haut aufgenommen werden. PAK findet sich aber auch in der Nahrung und in Genussmitteln, wie in geräucherten und gegrillten Speisen, in Kakao, Schokolade und Tabakrauch.

Bautechnisch sind Teerprodukte (hoher PAK-Gehalt, aus Braun- oder Steinkohle) und Bitumenprodukte (geringer PAK-Gehalt; aus Mineralöl) zu unterscheiden. Optisch sind diese Baustoffe allerdings nicht unterscheidbar. Im Bauwesen wurden Teerprodukte, welche einen besonders hohen PAK-Gehalt aufweisen, vor allen in den 1950er bis 197er Jahren verwendet. Aber auch in Vorkriegsbauten wurde PAK eingesetzt. Bei älteren Gebäuden ist somit das Vorhandensein von PAK-haltigen Baustoffen nicht unwahrscheinlich.

Am häufigsten wurden in Gebäuden die folgenden PAK-haltigen Produkte verbaut:

  • Dachpappen, Dichtungs- und Schweißbahnen
  • Kleber, Spachtel- und Fugenmassen
  • teer- und pechhaltige Klebstoffe unter Holzparkett und Hirnholzpflaster („Stöckelpflaster“)
  • Gussasphalt, Asphaltfußbodenplatten
  • Dichtungs- und Dachbahnen
  • „Schwarzanstriche“: Lösungen und Emulsionen zum Bautenschutz
  • „Teerkork“: teerverklebte Korkgranulat-Platten und –Rohrschalen
  • Teeröle als Holzschutzmittel (Carbolineum)
  • Schwarzdecken

Bei einem Verdacht auf PAK-haltige Baustoffe solltest Du Dich fachlich beraten lassen! Weitere Informationen zur PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) findest Du bei:

PCB (Polychlorierte Biphenyle)

Polychlorierte Biphenyle sind synthetisch hergestellte Substanzgemische mit 209 verschiedenen Einzelsubstanzen, deren technischen Eigenschaften und Umweltrelevanz variieren. PCB sind persistent, d.h. sie reichern sich im Organismus und in der Umwelt an. Inzwischen sind PCB in der Umwelt überall vorhanden und werden täglich in kleinen Mengen mit der Nahrung aufgenommen. PCB sind toxisch und stehen im Verdacht, krebserzeugend zu sein. Seit 2004 ist die Verwendung von PCB in Europa verboten.

PCB wurden vor allem als Weichmacher (zum Beispiel in Fugenmassen), als Flammschutzmittel (und Weichmacher) in Farben und Lacken und als Isolieröle in der Elektroindustrie (zum Beispiel Trafoöle, Kondensatoren) eingesetzt. In Innenräumen sind Fugendichtungsmassen die wichtigste PCB-Quelle. Laut dem Schweizer Bundesamt für Gesundheit BAG finden sich in rund der Hälfte der Beton-Hochbauten, die im Zeitraum von 1955 bis 1975 in Skelett- und Elementbauweise erstellt wurden, PCB-haltige Fugendichtungsmassen. Vor allem Fugen mit Kontakt zum Innenraum tragen die Polychlorierte Biphenyle zur Innenraumbelastung bei.

In Gebäuden kann sich PCB darüber hinaus in folgenden Bauteilen bzw. Produkte befinden:

  • Farben und Lacke auf mineralischem Material, Holz, Spanplatten („Wilhelmi“-Platten), Metallen
  • Buntsteinputze
  • Verguss- und Spachtelmassen
  • Bodenbelagskleber
  • Kleinkondensatoren
  • Vorschaltgeräte von Leuchtstofflampen
  • Blindstromkompensationsanlagen

Diese Auflistung erhebt keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit!

Wenn der Verdacht auf PCB-haltige Baustoffe besteht, solltest Du Dich fachlich beraten lassen! Sanierungsarbeiten an PCB-haltigen Fugendichtungen müssen durch Fachfirmen ausgeführt werden. Bei unsachgemäß ausgeführten Sanierungen oder Rückbauten, können die beteiligten Handwerker, spätere Gebäudenutzer und die Umwelt gefährdet werden.

Weitere Informationen zur PCB (Polychlorierte Biphenyle) findest Du bei:

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